Lexikon - Versorgungsnetze

Eine sichere Energieversorgung basiert auf funktionierenden Vesorgungsnetzen, durch die Strom- und Erdgas auf allen Spannungs- bzw. Druckebenen ungehindert zu den Letztverbrauchern fließen kann.

Ob als konzessionsvergebende Stellen oder eigenständige Netzbetreiber, als Genehmigungsbehörden für Einspeiseleitungen von Anlagen zur Erzeugung erneuerbarer Energien sowie als politisch Verantwortliche für die Gewährleistung der Versorgungssicherheit für Wirtschaft und Bürger vor Ort, Kommunen sind vielfältig vom Thema Energienetze betroffen.

Mit unserem Energie-ABC „Energienetze kompakt“ stellen wir Ihnen einen kleinen Ratgeber für den Alltag zur Seite. Denn niemand kann alles wissen –aber jeder sollte wissen, wo es steht.

Unten stehend finden Sie daher eine Auswahl der wichtigsten Begriffe im Bereich der Energienetze. Wir wünschen Ihnen viel Freude mit unserem Nachschlagewerk.

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Hochspannungsnetz

Spannungsebene, definiert ab 60 kV bis 150 kV, die zur regionalen bis überregionalen Energieübertragung dient.

Höchstspannungsnetz

Dient der überregionalen Energieübertragung, wobei die Spannungsebene ab 150 kV bis 380 kV definiert ist.

 

Konzessionsabgabe

Nominell die in vielen Konzessionsverträgen festgeschriebene finanzielle Gegenleistung von  Energieversorgungsunternehmen an die Kommunen für das Recht, Straßen und Wege zu benutzen, um Kabel, Leitungen und andere Anlagen zu errichten, die zur Versorgung des Gebietes notwendig sind. Das Recht ist in der Konzessionsabgabeverordnung und dem Energiewirtschaftsgesetz niedergelegt. Städte und Gemeinden haben ihre öffentlichen Verkehrswege für die Verlegung und den Betrieb von Leitungen einschließlich Fernwirkleitungen zur Netzsteuerung und Zubehör zur unmittelbaren Versorgung von Letztverbrauchern im Gemeindegebiet diskriminierungsfrei durch Vertrag zur Verfügung zu stellen. Solche Verträge dürfen eine Laufzeit von zwanzig Jahren nicht überschreiten. Werden sie danach nicht verlängert, so ist der bisherige Netzbetreiber verpflichtet, seine für den Betrieb der Netze der allgemeinen Versorgung im Gemeindegebiet notwendigen Verteilungsanlagen dem neuen Energieversorgungsunternehmen gegen Zahlung einer wirtschaftlich angemessenen Vergütung zu übereignen. Das neue Energieversorgungsunternehmen kann statt der Übereignung verlangen, dass ihm der Besitz hieran eingeräumt wird.

 

Mittelspannungsnetz

Dient der Energieübertragung im regionalen Bereich sowie der Einspeisung größerer Sondervertragskunden. Der Spannungsbereich im Mittelspannungsnetz liegt zwischen 1.000 Volt (1 kV) und 60.000 Volt (60 KV), gebräuchlich: 10 kV, 20 kV, 30 kV.

 

Netzanschlusskosten

Unter Netzanschlusskosten sind die Kosten zu verstehen, die einem Übertragungs- oder Verteilungsunternehmen von Strom oder Gas dadurch entstehen, dass es bestehende Leistungen oder Anlagen verstärken, erweitern oder ändern muss, um einen Netzanschluss realisieren zu können. Die Netzanschlusskosten sind einmalig anfallende Kosten, die für die Errichtung des unmittelbaren Netzanschlusses anfallen, d.h. der Verbindung zwischen dem vorhandenen Netz und der Kundenanlage. Der Kunde wird in der Regel an diesen Kosten über den Netzanschlussbeitrag beteiligt.

Netzanschlussvertrag

Der Netzanschlussvertrag regelt die Einzelheiten der Errichtung und des Gebrauchs des unmittelbaren Anschlusses des Kunden an das öffentliche Netz. Vertragspartner ist der Anschlussnehmer, in der Regel der Grundstückseigentümer oder der Mieter bzw. Pächter. Er ist vom Netznutzungsvertrag zu unterscheiden.

Netzbetreiber

Als Netzbetreiber wird bezeichnet, wer die Geschäfte des Betriebes eines Verteilungs- oder eines Übertragungsnetzes betreibt. Er ist für den sicheren und zuverlässigen Betrieb des jeweiligen Netzes in einem bestimmten Gebiet sowie für die Verbindungen mit anderen Netzen verantwortlich. Der Übertragungsnetzbetreiber regelt darüber hinaus die Übertragung über das Netz unter Berücksichtigung des Austausches mit anderen Netzbetreibern. Er stellt zudem die Systemdienstleistungen zur Verfügung, die zur Aufrechterhaltung der Versorgungssicherheit notwendig sind.

Netzfrequenz

In Deutschland und den meisten anderen Ländern beträgt die allgemeine Netzfrequenz 50 Hertz, in den USA, Nordjapan und einigen Karibischen Inseln 60 Hertz.

Niederspannungsnetz (NS-Netz)

Netz mit einer Nennspannung unter 1.000 V, das ausschließlich zur Verteilung von elektrischer › Energie in räumlich eng begrenzten Gebieten, z. B. Ortsnetzen, eingesetzt wird. Typisch für diese Netzform ist das Drehstromnetz 400/230 V. Es wird aus dem Mittelspannungsnetz über Ortsnetztransformatoren gespeist, deren Leistungen im Bereich von 630 bis 1.600 kVA liegen. Abnehmer mit nur kleinen Leistungsaufnahmen bzw. Kleineinspeiser sind in der Regel an das Niederspannungsnetz bei einer Betriebsspannung von 400 V angeschlossen.

(n-1)-Kriterium

Ein Zuverlässigkeitskriterium für die Auslegung und den Betrieb elektrischer Netze. Ein Netz erfüllt das (n-1)-Kriterium, wenn ein beliebiges Netzbetriebsmittel (z. B. Stromkreis, Transformator) ausfallen kann, ohne dass es zu unzulässigen Versorgungsunterbrechungen oder zu einer Störausweitung kommt und ohne dass die Spannung die zulässigen Grenzen über- bzw. unterschreitet oder Betriebsmittel überlastet werden.

 

Regelenergie

Als Regelenergie wird die vom Netzbetreiber aufzuwendende Energie bezeichnet, die erforderlich ist, um Netzfrequenzabweichungen auszugleichen. Die Regelenergie wird von kurzfristig bereitstehenden Kraftwerken (Gaskraftwerken, Pumpspeicherkraftwerken, thermischen Kraftwerken in Teillast) abgerufen.

Regelzone

Gebiet eines elektrischen Netzes, für dessen Primärregelung, Sekundärregelung und Minutenreserve ein Übertragungsnetzbetreiber verantwortlich ist. In Deutschland gibt es vier Regelzonen (e.on, RWE, EnBW und Vattenfall).

 

Spannungsebene (auch Netzebene)

Stromnetze sind in verschiedene, überlagerte Spannungsebenen geteilt: Höchstspannungsnetze, Hochspannungsnetze, Mittelspannungsnetze, Niederspannungsnetze. Sie weisen unterschiedliche Übertragungsfunktionen und -leistungen auf.

 

Transformator

Transformatoren werden zur Änderung der Stromspannung eingesetzt. Die Stromspannung muss zwischen Höchst-, Hoch-, Mittel und Niederspannungsnetzen auf das jeweils nachgeschaltete Netz geregelt werden. Der Transformator besteht vereinfacht aus einem geschlossenen Eisenkern mit einer Primärspule und einer Sekundärspule. Wird die Primärspule von Wechselstrom durchflossen, entsteht im Eisenkern ein wechselndes Magnetfeld, das in der Sekundärspule eine Induktionsspannung erzeugt.

 

Übergabestation

Die Übergabestation ist die Stelle, an der das EVU die Elektrizität zur Verfügung stellt. Sie muss nicht identisch sein mit der Eigentumsgrenze oder mit der Stelle, an der die Elektrizität gemessen wird.

Übertragungsnetz

Übertragungsnetze sind in der Regel Höchst- bis Hochspannungsnetze, welche die von Kraftwerken und Windkraftanlagen erzeugte und ins Netz eingespeiste Energie landesweit an Transformatoren verteilen, die nahe an den Verbrauchsschwerpunkten liegen. Auch ist es über so genannte Kuppelleitungen an das internationale Verbundnetz angeschlossen.

Übertragungsnetzbetreiber (ÜNB)

(engl. Transmission System Operator, auch Transportnetzbetreiber) Betreiber eines Übertragungsnetzes bzw. unabhängiger Transportnetzbetreiber. Für die Regelzone Baden-Württemberg ist der Übertragungsnetzbetreiber die Transnet GmbH (Weitere Informationen erhältlich unter: www.transnetbw.de)

Umspannung

Der Wechsel zwischen Spannungsebenen durch Transformatoren nennt sich Umspannung.

 

Verbundnetz

Das Verbundnetz ist die Gesamtheit aller synchron verbundenen Übertragungsnetze.

Verteilungsnetz

Das Verteilungsnetz dient innerhalb einer begrenzten Region der Verteilung elektrischer Energie zur Versorgung von Kundenanlagen oder Umspannstationen. In Verteilungsnetzen ist der Lastfluss im Wesentlichen durch die Kundenlast bestimmt. In Deutschland werden Nieder-,  Mittel- und Hochspannungsnetze als Verteilungsnetze genutzt. In besonderen Fällen kann auch ein 220- oder 380-kV-Netzteil als Verteilungsnetz betrachtet werden.

 

(Quellen: EnBW Vertrieb GmbH: EnBW Wissen, Energie-ABC, 2010; Süwag Energie AG: Gas-ABC, 2009)